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Segeln im Wattenmeer

Emssperrwerk: Der nächste Versuch

Die Ausbaggerungen gehen weiter, die Verschlickung der kleinen Häfen auch. Die neue (alte) Lösung: das Emssperrwerk soll die Tide steuern.

 

Das Problem ist so alt, wie die Ausbaggerung der Ems: die schmale Rinne wird immer tiefer, die Schlickbuckel in den kleinen Häfen der Ems immer höher.

Nun soll ein neuer (eigentlich aber alter) Plan Abhilfe schaffen, die Tidesteuerung durch das Sperrwerk. Im Sommer 2020 soll acht Wochen lang eine flexible Tidesteuerung erprobt werden. Ersonnen wurde dieser Plan von der „Geschäftsstelle Masterplan Ems 2050“. Darin sind vertreten der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), die Bundeswasserstraßenverwaltung, die Stadt Emden, das Land Niedersachsen, die Landkreise Emsland und Leer, sowie drei Umweltverbände und natürlich die Papenburger Meyer Werft

Um eine flexible Tidesteuerung zu realisieren muss das Sperrwerk umgebaut werden. Unter der Hand ist von Kosten um die 46 Millionen Euro die Rede.

Geplant sind zwei Testvarianten:

1. „Tideniedrigwasseranhebung“

Hierbei werden die Tore des Sperrwerks zwei Stunden vor Niedrigwasser geschlossen und eineinhalb Stunden später wieder geöffnet. So soll der folgende Flutstrom gebremst werden und somit weniger Sedimente transportieren können.

2. „Flutstrombremse“

Bei dieser Variante werden die Tore bei Einsetzen der Flut teilweise geschlossen. Diese Variante hat man vor einigen Jahren bereits getestet und dabei die Sohle des Sperrwerks derart unterspült, dass eine aufwendige Reparatur notwendig wurde (wir berichteten). Für eine dauerhafte Anwendung müsste aber die Sohle des Sperrwerks stärker gesichert werden.

Chronologie des Emssperrwerks bei Gandersum

  • März 1997: Beginn der Planungen.
  • Dezember 1997: Der Erörterungstermin mit zahlreichen Einwänden von Gegnern dauert 15 Tage.
  • März 1998: Vergabe des Bauauftrags an eine Arbeitsgemeinschaft mehrerer Unternehmen.
  • September 1998: Baubeginn
  • November 1998: Umweltschützer erwirken einen Baustopp.
  • Oktober 1999: Weiterbau nach einem Gerichtsbeschluss.
  • Mai 2001: Verwaltungsgericht weist Klage des Umweltverbandes BUND ab.
  • September 2002: Eröffnung durch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel.
  • November 2002: Inbetriebnahme mit einem Probestau.
  • Dezember 2004: Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg. Das Emssperrwerk ist mit deutschem und europäischem Umweltrecht vereinbar. Die Berufung des BUND wird abgewiesen.
  • Dezember 2006: Ende der jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen mit einem Vergleich vor dem Bundesverwaltungsgericht. Der BUND zieht seine Klage zurück, das Land Niedersachsen stellt im Gegenzug neun Millionen Euro für den Umweltschutz an der Ems zur Verfügung. Kritiker sagen, der BUND hätte sich kaufen lassen.
  • November 2010: Bei dem Versuch das Sperrwerk als s.g. Schlickbremse einzusetzen entstehen schwere Schäden, deren Beseitigung  ca. 5 Millionen Euro kosten.
  • Dezember 2010: Das WSA gibt bekannt, dass trotz des Sperrwerks für die Meyer-Schiffe genauso viel gebaggert werden müsse, wie vor dem Sperrwerksbau. Die Baggerkosten belaufen sich auf 10-20 Millionen Euro jährlich.
  • Mai 2012: Erneut wurde versucht, das Sperrwerk als s.g. Schlickbremse einzusetzen.
  • Frühjahr 2015: Der Bund, das Land Niedersachsen, die Landkreise Emsland und Leer, die Stadt Emden sowie drei Umweltverbände und die Papenburger Meyer Werft schliessen sich zum Masterplan-Projekt zusammen.

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