Kommen künftig Ranger mit Booten ins Wattenmeer? Drei Küstenländer planen gemeinsam mit weiteren Partnern ein neues System für die Betreuung deutscher Meeresschutzgebiete.
Was zunächst wie ein Projekt für das Wattenmeer wirkt, reicht deutlich weiter: Das Vorhaben „MaRa – Marine-Ranger*innen für ein wirksames Meeresschutzgebietsnetzwerk der deutschen Nordsee“ soll perspektivisch auch Schutzgebiete der Ostsee einbeziehen.
Die Idee geht auf die sogenannte Cuxhavener Erklärung von 2023 zurück. Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg hatten sich darin für den Aufbau eines marinen Ranger-Teams ausgesprochen. Ende Mai 2026 bekräftigte Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt die Pläne erneut. Inzwischen liegt für das Projekt ein Förderantrag bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) vor. Eine Entscheidung wird im Herbst erwartet, der Projektstart ist für Januar 2027 vorgesehen.
Zunächst geht es allerdings nicht um den unmittelbaren Aufbau eines Ranger-Dienstes. In einer 24-monatigen Konzept- und Entwicklungsphase soll untersucht werden, ob und wie Marine Ranger eingesetzt werden können. Dabei sollen Aufgaben, Qualifikationen und Zuständigkeiten ebenso geklärt werden wie rechtliche, organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen.
Als mögliche Tätigkeiten nennt die Projektbeschreibung Schutzgebietsbetreuung, Monitoring, Umweltbildung, Besucherlenkung und die Kommunikation mit Nutzern des Meeres. Auch eine Zusammenarbeit mit Fischerei, Naturschutz, Tourismus und Wassersport soll entwickelt werden. Ein konkretes Umsetzungsmodell steht damit noch nicht fest.
Für Segler ist insbesondere die Frage nach möglichen Kontrollen relevant. Nach der im Ausgangstext dargestellten aktuellen Rechtslage könnten Marine Ranger zwar beobachten, dokumentieren und Behörden informieren, selbst aber keine Bußgelder verhängen oder hoheitliche Maßnahmen durchsetzen. Die bestehenden Befahrensregeln des Wattenmeeres bleiben durch das Projekt zunächst unverändert.
Offen ist auch, wie Wassersportler in die weiteren Planungen einbezogen werden. Die Projektbeschreibung nennt den Wassersport ausdrücklich als einen Akteur, mit dem mögliche Kooperationsformen entwickelt werden sollen. Wassersportverbände und -vereine waren nach den vorliegenden Informationen bislang jedoch nicht an den Planungen beteiligt.
Damit steht das Projekt noch am Anfang. Ob tatsächlich Ranger-Boote auf Nord- und Ostsee eingesetzt werden, welche Aufgaben sie übernehmen und welche Befugnisse daraus entstehen könnten, soll erst im weiteren Planungsprozess geklärt werden.
Hintergrundinfo: Cuxhavener Erklärung